Natürlich wäre die (Bücher-)Welt ohne ein Buch von mir keinen Deut ärmer. Oder umgekehrt: Sie wird nicht reicher/besser, wenn ich auch noch ein paar Bücher auf den Markt werfe. Trotzdem habe ich es versucht. Wie es dazu kam?

Das Schreiben

Dass ich mit Schreiben begonnen habe, liegt an mehreren Faktoren.

Da wäre zunächst einmal der Faktor Zeit. Von Anfang 2005 bis Mitte 2008 war Zeit größtenteils Mangelware bzw. purer Luxus für mich. Ausbildungen, Arbeit, 2006 ein familiär bedingter Umzug von Baden-Württemberg nach Schleswig-Holstein und damit verbunden Pendeln zwischen den beiden Bundesländern.

Ich bin sicher, der eine oder andere kennt das auch: Das Leben ist wie eine Straße. Wunderschön gelegen, schnurgerade; stellenweise aber auch kurvig, voller Schlaglöcher und Stolpersteine, voller Abzweigungen und Sackgassen. Dadurch kommt im Leben vieles anders, als man sich das im Stillen so ausmalt und plant. Ein besonders holpriges Stück begann für mich, als ich meine Zelte in Baden-Württemberg endgültig abgebrochen hatte und ganz in Dithmarschen ankam.Die Eröffnung der geplanten Praxis verschob sich wieder und wieder. Die Praxis ist jetzt -  2011 - nach wie vor ein Traum von mir, deshalb habe ich sie gedanklich noch nicht ad acta gelegt. Allerdings ist sie auch nicht wirklich existent. Nun ja. Statt also fleißig Kunden zu bedienen, musste ich plötzlich feststellen, dass ich viel mehr Zeit hatte, als ursprünglich geplant.

Wenn man zu viel Zeit zum Nachdenken hat, kommt man auf die dümmsten Gedanken. Oder erinnert sich an Dinge, die das Unterbewusstsein irgendwo verankert hat. Faktor zwei war also eine Erinnerung.

Habe ich schon erwähnt, dass ich gerne lese? Und über das, was ich lese, rede ich immer mal wieder mit diversen Leuten. Das führte im Juni 2008, noch in Baden-Württemberg, zu einem Gespräch mit einer Bekannten. Es ging darum, was uns (mir) in manchen Büchern fehlt, in anderen zu viel vorkommt und in wieder anderen zwar vorkommt, aber trotzdem irgendwie untergeht. Meine Bekannte regte gegen Ende des Gesprächs an, selbst einmal eine längere Geschichte zu schreiben. Nur um zu wissen, wie schwierig so etwas ist. Im Juni ging dieser Gedanke in meinem Tagesstress unter. Im September des gleichen Jahres fiel mir dieses Gespräch allerdings wieder ein, während ich mit meinem Hund durch das hiesige Moor stapfte.

Faktor drei war Entsetzen. Nur Stunden zuvor hatten meine Nichte und ich festgestellt, dass der Folgeband einer bestimmten Vampir-Reihe erst im Februar 2009 auf den Markt kommen sollte. Ein grauenvoller Gedanke (für uns). Es mag peinlich klingen, aber wir fragten uns in dem Moment tatsächlich, wie wir die Zeit bis dahin überbrücken könnten. Meine Nichte stöberte sofort in Internet nach Alternativen. Ich schnappte mir meinen Hund und stapfte durch das Moor (oder vielmehr das, was heute noch davon übrig ist).

Die Faktoren 1, 2 & 3 führten dann während des Spaziergangs zu Faktor 4. Einem sich stetig drehenden Gedankenkarussell. Ich malte mir aus, was ich  beispielsweise in einer Vampir-Geschichte lesen wollte und machte mir Gedanken, wie Vampire entstanden sein könnten (außer durch den allseits bekannten Biss oder die geniale Nano-Idee). Und das wiederum förderte eine weitere Erinnerung zutage. Die an eine Lektüre aus den 1980er Jahren. Im Rahmen eines Klinikaufenthaltes war ich auf ein (uraltes) Buch über das Gilgamesch-Epos gestoßen und hatte mich aus purer Langeweile durch den relativ trockenen Stoff gekämpft.

Tja, und damit waren genau genommen die Würfel gefallen und meine Entscheidung, etwas über Vampire zu schreiben, getroffen. Allerdings dachte ich damals noch nicht im Traum daran, ein ganzes Buch, geschweige denn mehrere in Angriff zu nehmen.  Jedenfalls setzte ich mich sofort nach dem Heimkommen an meinen PC und begann die Entstehungsgeschichte der Etanaer zu schreiben.

 

Von der Ideezur Geschichte

Hobbyautorin zu sein, kann süchtig machen. Aber das wusste ich damals noch nicht. Ich fing also an  und konnte nicht mehr aufhören. Meine Nichte schickte mir zwischenzeitlich Dutzende von Exposés zu den von ihr gefundenen (Vampir-)Alternativen. Der Markt boomte erfreulicherweise gerade, was dieses Thema betraf.

Aus einem für mich selbst nicht nachvollziehbaren Grund - manchmal handle ich ohne groß nachzudenken - vervollständigte ich meinen bis dahin fertigen Text mit einem Titel, brachte alles in E-Book-Form und schickte es per E-Mail an Sabrina; mit dem Hinweis, dass bei Interesse auch weitere Leseproben erhältlich wären. Mit ihrem Kommentar "wenn nicht alles 4.000 Jahre vor Christus spielt jederzeit" kam dann alles so richtig ins Rollen. Sie wolllte tatsächlich mehr - ohne zu wissen, von wem die Leseprobe war. Nach  der zweiten Leseprobe fragte sie jedoch nach Autor, ISBN, usw. und ich musste mich outen. Und weil ihr die Geschichte gefiel und mir meine Finger vom vorübergehenden Stillhalten sowieso juckten, schrieb ich munter weiter.

Damals habe ich noch gedacht, wenn ich 200 Seiten schaffe, dann schaffe ich viel. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich aber alles nach dem Hefeteigprinzip. Die Geschichte ging auf und immer weiter auf und plötzlich standen an Leóns Seite erst mal Alejandro und Nathan und dann schwuppdiwupp noch 9 weitere Etanaer und ihre Frauen. Und in die eigentliche Liebesgeschichte kam Erzsébet hinein, ihre Elevinnen im Schlepptau. Mit ihr bemühte ich  Götter und Weise Frauen. Und damit teilte sich die Geschichte in vier Teile. Um die Sache nicht noch weiter ausufern zu lassen, plante ich einen spektakulären Showdown, einen Streit der Götter, bei dem alle Etanaer vernichtet werden (kam aber nachher anders als geplant).

Nachdem meine Nichte so positiv auf die Leseprobe reagierte, erzählte ich einer Bekannten, als sie wieder einmal fragte, was ich denn tagsüber so mache, dass ich schreibe. Prompt bat auch sie um eine Leseprobe. Dann kam noch jemand dazu und dann noch jemand, bis ich erst mal 20 Stammleser hatte. Innerhalb eines Jahres haben sich aber weitere Interessenten sich bei mir gemeldet und ich habe insgesamt größere und kleinere Leseproben an 375 Personen verschickt.

Irgendwann kam die Frage, ob ich auch plane, die Geschichte zu veröffentlichen. In Buchform. Der Gedanke überraschte mich erst mal völlig. Für mich hatte das alles nicht mehr Stellenwert als ein überdimensionierter Aufsatz. Es hätte mir damals eigentlich noch gereicht, wenn beispielsweise nur meine Nichte die Geschichte gelesen hätte. Die Dimension meiner Vorab-Lesegemeinde schockierte mich einigermaßen, als ich mir darüber klar wurde, wer schon alles etwas von Etanas Söhne erhalten hatte.

Relativ früh schickte jemand ohne mein Wissen etwas an einen Verlag und von dort wurde tatsächlich zaghaftes Interesse bekundet - letztlich kamen wir dann doch nicht zusammen.  Aber mutig geworden habe ich mich auch an andere Verlage gewandt. Hätte ich im Vorfeld gewusst, was für ein Fiasko das für No-Name-Schreiberlinge wie mich ist, hätte ich mich das nie getraut. So bin ich total naiv daran gegangen, mich an Heyne, Goldmann, etc. zu wenden. Ein paar haben die Manuskripte mit einem freundlichen Schreiben zurückgeschickt. Ein paar haben es vermutlich nicht mal angesehen und es mit einer schief kopierten Absage wieder an mich gesandt. Ein paar haben gar nicht reagiert. Okay, das war abzusehen - aber frustrierend war es trotzdem. So frustrierend, dass ich kurz davor stand, alles in meinen Daten-Shredder zu packen und zu vernichten. Meine Nichte hat mich davon abgehalten. Monatelang habe ich die Dateien nicht angerührt und Etanas Söhne völlig aus meinem Kopf verbannt. Weitergeschrieben habe ich trotzdem - an einer anderen Geschichte.

Dann regte dieselbe Person, die ohne mein Wissen einen Manuskriptausschnitt versandte, an, dass ich Etanas Söhne doch auch als E-Book veröffentlichen könnte. Und nannte mir gleich ein paar Plattformen . Ich habe geschluckt – E-Book? Damit musste ich mich erst anfreunden. Ich lese selbst ab und an welche, aber da ich keinen Reader besitze, geschieht das am PC oder Notebook und damit ist man angebunden. Ich käme nie auf den Gedanken die Dinger mit in die Wanne zu nehmen, am Strand stelle ich sie mir ebenfalls unpraktisch vor, im Garten, je nach Sonnenstand, könnte es auch Probleme geben. Außerdem waren da noch immer hartnäckig die Vorab-Leser, die nach wie vor nach der gedruckten Version fragten. Nicht mehr so zahlreich wie noch Monate zuvor - aber die Fragen waren da.


Von der fertigen Geschichte

zum gedruckten Buch

Jedenfalls zum ersten Band davon. Die Geschichte ging wie gesagt auf und musste letztlich geteilt werden. Trotz der kurzen Entstehungszeit von wenigen Monaten oder der Drucklegung von Band 1 nach etwas mehr als einem Jahr war es ein holpriger Weg. Ich bin schließlich auf die tredition GmbH gestoßen – der ich an dieser Stelle herzlich danken möchte und die ich jedem mutlos gewordenen Schreiber wohl getrost empfehlen kann.

Bei den allseits bekannten großen Verlagen unterzukommen, womöglich sogar noch mit Vertrag, ist faktisch gesehen in etwa so wahrscheinlich wie ein größerer Lottogewinn. Und kleine Verlage, die sich vielleicht durchaus für die Geschichte interessieren, die man geschrieben hat, gibt es zwar eventuell durchaus. Aber ob die immer die Mittel haben, einen noch in ihr Verlagsprogramm aufzunehmen ist fraglich.

Dann gibt es natürlich noch die Druckkostenzuschuss-Verlage. Eine tolle Sache - allerdings nicht für den Autor. Der kann da viel Geld liegen lassen. Als gebürtiger Schwäbin widersprach das einfach meinen Grundsätzen. Zumal man für dieses viele Geld nichts geboten bekommt. Wenn man nicht aufpasst, wird das richtig teuer. Dabei dachte ich immer, mit Schreiben kann man was verdienen. Gut - keine Millionen (die meisten Autoren sind vermutlich froh, wenn sie mit den Provisionen mal einkaufen gehen können <Lebensmittel, keine Luxuswaren> - aber selbst 20 Euro sind ja schon mal so was wie verdientes Geld.

Trotz dieser niederschmetternden Erkenntnisse hatte ich in gewisser Weise Blut geleckt, als die Fragen einfach nicht aufhörten. Nur: Wie sollte ich diese Fragen bewerten? Lohnte sich der Aufwand? War die Geschichte so gut, dass irgendjemand Geld dafür ausgab? So gut, dass vielleicht sogar mehr als 375 Leser zusammenkommen?

Der Verlag tredition bietet zumindest die Möglichkeit, dass außer meinem Bekannten- und Freundeskreis (der übrigens bei Weitem keine 375 Personen umfasst) andere Personen an Band 1 herankommen können. Genau wie an Bücher anderer Autoren, die dort untergekommen sind, weil sie vielleicht wie ich keinen Agenten oder nicht das nötige Quäntchen Glück haben, um bei einem der großen Verlage angenommen zu werden.


Vom fertigen Buch

zur Leserin bzw. zum Leser

Der Weg war und ist ebenfalls lang, beschwerlich und holperig. Nur weil das Buch bei Anbietern wie Libri, Umbreit, Amazon, etc. gelistet ist, heißt es noch nicht, dass es sofort erhältlich ist. Und selbst wenn es erhältlich ist, wie soll jemand darauf aufmerksam werden. Wie gesagt, der Weg ist lang und beschwerlich - so viel steht fest. Aber das war von vornherein klar, schließlich ist aller Anfang schwer.

Aber wisst ihr was? Trotz diverser frustverdächtiger Rückschläge: Das Schreiben und alles drum herum macht mir immer noch richtig Spaß ....